Erster Testflug mit der DJI Phantom 4

DJI Phantom 4

Privat als Modellflugsportler habe ich für Euch ein kleines Resumé über den ersten Eindruck mit der Kameradrohne DJI Phantom 4 erstellt.

Noch vor wenigen Jahren konnte man sich nicht vorstellen, als Privatmann unbemannte Fluggeräte über Pilotensicht ferngesteuert zu navigieren. Heute gehören sie zum Alltag: Die Drohnen. Und das überfordert seit einiger Zeit auch die Behörden, die zu regeln versuchen, wie mit der rechtlichen Lage dieser „unbemannten Fluggeräte“, so die Bezeichnung, umzugehen ist. Denn eines ist sicher: Mit Spielzeug haben diese Hightec-Geräte in der Luft absolut gar nichts am Hut. Während inzwischen zumindest klare Richtlinien definiert wurden, ab wann beim Luftfahrtbundesamt eine Aufstiegsgenehmigung erforderlich ist, bewegen sich die Richtlinien privater Nutzer noch ziemlich in der Grauzone.

Als langjähriger Modellflugsportler hat mich privat diese neue Art des Fliegens natürlich brennend interessiert. Und auch beruflich sind bei mir in den letzten Monaten immer häufiger Anfragen über Kameradrohnen eingegangen, die für diverse Studioproduktionen Luftaufnahmen erstellen sollten. Also war es jetzt der ideale Zeitpunkt für die Anschaffung eines solchen Gerätes. Entschieden habe ich mich nach reichlicher Recherche für die DJI Phantom 4, die derzeit für knappe 1600 Euro erhältlich ist.

Im folgenden Erfahrungsbericht beschränke ich mich auf den Aufbau und das Flugverhalten bei der manuellen Steuerung. Technische Raffinessen wie den Intelligent Flight Mode, Objektverfolgung, Point of Interest etc. wird es in einem gesonderten Bericht in Kürze geben.

Erster Eindruck

Phantom 4 Equipment im Hartschaumkoffer

Phantom 4 Equipment im Hartschaumkoffer

Die Standardausstattung beinhaltet das Steuergerät, die Phantom 4 inkl. 1 Akku, ein Doppelset der benötigten Propeller, Ladegerät und entsprechende Verbindungskabel. Alles ist in einem Hartschaumkoffer geliefert, der zumindest für den Anfang seinen Zweck ausreichend erfüllt. Das Material der Module in weißer Klavierlack-Optik erinnert sehr an die Produktpalette von Apple. Auch qualitativ präsentiert sich die Phantom 4 ausgezeichnet. Aufgefallen ist mir gleich die äußerst stabile metallische Befestigung der Mobilgerätehalterung an der Fernsteuerung. Diese war zumindest beim Vorgängermodell noch eine Schwachstelle. Beim Material der Gimbal-Aufhängung für die Kamera könnte man zunächst auf Hartkunststoff tippen, doch der Schein trügt. DJI hat sich hier nicht von der geizigen Seite gezeigt und hochwertigstes ultraleichtes Magnesium verwendet.

Vorbereitungen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wer meint, sich die Phantom 4 anschaffen zu können und als unerfahrener Pilot ohne Flugerfahrung einfach die Module zusammenbauen und damit abheben kann, den möchte ich hier dringendst warnen. Zwar funktionieren viele Schritte selbsterklärend. Aber man sollte die Bedienungsanleitung komplett wirklich bis ins Detail lesen, um mögliche Komplikationen und somit auch Gefahren während des Fluges später vermeiden zu können. Ebenso sollte man sich unbedingt auch gründlich über die rechtliche Situation informieren. Wer Dinge wie Haftpflicht, Aufstiegsgenehmigung, Persönlilchkeitsrechte etc. einfach ignoriert, kann sich im Extremfall im Eiltempo in den finanziellen Ruin katapultieren. Außerdem täuschen die autonomen Steuerungsfunktionen den unerfahrenen Piloten recht schnell über seine Flugkünste. Sollte aber nur mal das GPS vorübergehend ausfallen oder fehlerhaft sein, so hat ein unerfahrener Pilot absolut keine Chance, die Drohne wieder kontrolliert zu sich zurückzusteuern und sanft zu landen. Aber das nur am Rande bemerkt. Jetzt zu den Details des Aufbaus:

Der Akku befindet sich bereits in der Drohne, muss aber vor dem Start entnommen und geladen werden. Bei der Vorrichtung für die Montage der 4 Propeller haben sich die Entwickler wirklich einiges einfallen lassen. Während man noch beim Vorgängermodell die Rotoren festschrauben musste, kann man bei der Phantom 4 die Propeller einfach auf die Motoren drücken und mit einer leichten Drehung sicher fixieren. Es sind zwei Rotorenpaare, die mit entsprechenden farblichen Markierungen gekennzeichnet sind. Ein versehentlichens Vertauschen ist aufgrund unterschiedlicher Passformen ausgeschlossen.

Einspannhalterung für Mobilteil

Einspannhalterung für Mobilteil

Vor dem Start ist zunächst die App „DJI Go“ auf dem zu verwendenden Smartphone bzw. Tablett zu installieren. Das Smartphone/Tablet wird in die Halterung der Fernsteuerung geklemmt und per USB-Kabel mit der Steuerung verbunden. Danach sind die Geräte in der Reihenfolge Fernsteuerung, Drohne, DJI-Go-App einzuschalten. Die Phantom 4 initialisiert sich und geht die gewohnten Testläufe der Elektronik und Software durch, gleichzeitig wird die Kamera am Gimbal kalibriert.

Die App zeigte bei mir sofort an, dass die Firmware der Phantom 4 ein update benötigt. Das wiederum geht über USB-Verbindung zwischen Drohne und PC mit der Software „DJI Assistant 2“. Hierfür muss man schon einige Minuten einkalkulieren. Doch auch hier hat Sicherheit eindeutig Vorrang.

Erster Start, erste Landung

Der für mich wohl spannendeste Moment war natürlich der beim ersten Kennenlernen des Flugverhaltens. Gestartet war ich zunächst im P-Mode, der dafür sorgt, die gewählte Position des Fluggeräts per GPS zu halten. Da ich als langjähriger Modellflugsportler das Fliegen sowohl von Flächenmodellen, aber auch von Helikoptern noch zu Zeiten erlernt hatte, an denen technische Raffinessen wie elektronische Lagestabilisatoren (Gyroskope, Kompasse etc.), GPS-Navigation, FPV (First Person View) undenkbar waren, hatte ich natürlich den Verdacht, bei der Steuerung der Phantom 4 völlig unterfordert zu sein. Auch fehlte mir zunächst das Vertrauen in die Technik. Während man beim herkömmlichen Helikopter pausenlos mit Collective, Cyclic und Heckrotor die Fluglage balancieren muss, soll die neue Technik alles automatisiert vornehmen, sogar viel mehr: bei Signalverlust oder technischen Störungen die Drohne sogar selbständig zum Abflugort zurück steuern und landen. Deshalb war beim Einschalten der Phantom zunächst einem leichten Gefühl der Unsicherheit vorhanden, das sich aber in kürzester Zeit komplett auflöste.

Nach Abarbeiten der Checkliste können die Motoren gestartet werden. Das erfolgt durch gleichzeitiges Runterdrücken zur Mitte der beiden Steuerknüppel.
3 … 2 … 1 – und die Rotoren der Phantom blasen mit einem mächtigen Summgeräusch los. Ein sanftes Drücken des linken Knüppels, und die Phantom schwebt tadellos auf meine gewählte Höhe von ca. 3 Metern. Und dies war der Moment, an dem ich die Entwickler beinahe vergöttert hätte. Die Maschine lag so extrem stabil in der Luft, dass für den Schwebeflug ein Eingreifen der Steuerung absolut unnötig war. Und von Minute zu Minute steigerte sich das Vertrauen zwischen mir und dem Fluggerät. Die Steuerung war so extrem leicht und gutmütig, ich war einfach baff. Mit dem Erstflug hatte ich es allerdings relativ einfach gehalten. Hin und wieder Höhe verändert, Gier- Roll- und Nickfunktionen ausgetestet und Geschwindigkeit sowie Bremsweg im zuvor eingestellten P-Modus probiert. Das Einzige, was mir als Helipilot aufgefallen ist, ist die leichte Trägheit auf Höhensteuerbefehle. Während beim herkömmlichen Helikopter die Höhe durch Blattverstellung des Hauptrotors (sog. „Pitch“, also Einstellwinkel) blitzschnell erfolgt, wird diese Funktion beim Quadkopter durch eine Geschwindigkeitsveränderung der Propeller übernommen. Und genau das dauert eben aufgrund der Beschleunigungsträgheit der Rotoren wesentlich länger als die Pitchverstellung des Helikopters.

An die Reaktionen der Phantom 4 gewöhnt man sich blitzschnell, und nach jeder geflogenen Minute traut man sich ein Stückchen mehr, das Gerät auch mal für einige Sekunden aus den Augen zu verlieren, um beispielsweise einen Blick auf das Display des Pads zu werfen und einfach für einige Sekunden die Liveaufnahme aus der Luft genießen zu können.

Auch die Landung war trotz der leicht vorhandenen Windböen ein Kinderspiel. Anfänger werden mit Sicherheit zunächst die gewohnten Orientierungsprobleme beim Anflug auf sich selbst haben, da eben die Gier- und Rollfunktion in diesem Moment spiegelverkehrt sind. Alles aber eine Sache der Übung. Die Phantom gleitet sanft hinab. Die leichten Bodeneffekte lassen sich mühelos ausgleichen und die Maschine setzt sanft auf dem Landepunkt auf.

Der zweite Testflug erfolgte im sog. „Attitude-Mode“. Dieser deaktiviert die GPS-Kommunikation für die Positionierung. Hier ist also die Erfahrung des Piloten gefragt, da in diesem Modus die Phantom durch Wind und Trägheit abdriftet und somit manuell korrigiert werden muss. Aber auch hier zeigte sich die Phantom 4 so dermaßen gutmütig und stabil, wie ich es nicht erwartet hätte. Eine Anmerkung gleich vorab: Ich würde grundsätzlich raten, generell im Attitude-Mode zu fliegen und den vollautomatischen P-Mode nur für Situationen des Intelligent Flights zu verwenden, um sich einfach nicht all zu arg auf das Satellitensignal verlassen zu müssen.

Fazit

DJI hatte mit der Einführung der Phantom 3 bereits einen neuen Meilenstein für Kameradrohnen gesetzt. Mit der Phantom 4 bekam dieser noch den Feinschliff in Präzision, Sicherheit und Fluggutmütigkeit, den sich DJI auch gut bezahlen lässt. Runde 1600 Euro muss man für das Paket bezahlen. Im Vergleich dazu: Die Phantom 3 Professional liegt bei ca. 1000 Euro. Die hauptsächliche Neuentwicklung ist allerdings die Kollissionserkennung bei der Phantom 4, auf die man sich zumindest im P-Modus beim Vorwärtsflug sehr gut verlassen kann. Und gerade für Fluganfänger kann dieser Mehrpreis auf alle Fälle von Wert sein.