Timetravel: New fotos taken with 80 years old Agfa Billy Record 7.7

Agfa Billy Record 7.7

Nostalgie pur: Mit Agfa Billy 7.7 und Rollfilm ausgestattet zurück ins Fotolabor

Agfa Billy Record 7.7

Agfa Billy Record 7.7 aus den 30er Jahren

Diese Agfa Billy Record 7.7 ist noch von meinen Großeltern. Sie wurde ab 1933 produziert und ist noch funktionsfähig. Und sie ist es, die mich – aus ihrem Ehrenplatz in meinem privaten Kameramuseum – angelächelt und mich wieder auf den Geschmack der analogen Fotografie gebracht hat. Glücklicherweise gehöre ich zu dem Personenkreis, der noch gelernt hat, analog zu fotografieren und die Bilder – zumindest in schwarz-weiß – selbst zu entwickeln. Also habe ich kurzentschlossen analoges Film- und Entwicklungsmaterial übers Internet besorgt und dabei festgestellt, dass wider Erwarten das Interesse an analoger Fotografie nicht ausstirbt, sondern sogar im Kommen ist. Zwar bekommt man beim Fotografen nicht mehr unbedingt die alten Rollfilme vorrätig, die man gerne hätte, das Angebot aber im Internet ist vielfältig. Bestellt habe ich den 120er Rollfilm Ilford FP4plus mit 125 ISO sowie Tetenal Ultrafin Entwickler und Adofix P Fixierer bei www.fotoimpex.de. Wunsch war es einfach, die 80 Jahre alte Kamera wieder zum Einsatz zu bringen, um dabei mit den Schwierigkeiten der damaligen Zeit, Fotos zu machen, konfrontiert zu werden.

Erste Eindrücke

Filmeinlegen

Das Einlegen des Films ist selbsterklärend. Die Rolle wird einfach ins Fach der Geberseite gelegt und in die gegenüberliegende Nehmerrolle eingefädelt und leicht angespannt, danach der Gehäusedeckel zugeklappt und solange an der Transportrolle gedreht, bis im kleinen roten Anzeigefensterchen die erste Nummer „1“ erscheint, danach ist die Kamera einsatzbereit. Und einsatzbereit bedeutet, dass ab sofort diese Filmposition belichtet werden kann, und zwar so oft man will, sprich: ein automatischer Filmtransport liegt natürlich nicht vor, was sehr häufig zu Mehrfachbelichtungen führt, wenn man sich nicht zur Regel macht, nach jedem geknipsten Foto den Film definitiv um eine Einheit vorzutransportieren.

Kameraeinstellungen

Die Kamera hält sich einfach mit Einstellmöglichkeiten. Es gibt folgende Einstellungen:

  • Blende: 7.7, 11, 16
  • Focus: 2 bis 5 Meter und 5 Meter bis unendlich
  • Belichtungszeit: 1/25, 1/50, 1/100 und manuell unendlich (B)

Die Belichtung der ersten Fotos habe ich mit der Belichtungsapp „Lightmeter“ genommen. Fotografiert wurde spätnachmittags bei Tageslicht.

Bildkomposition

Wer das Aussuchen der Bildkomposition mit Spiegelreflexkameras gewohnt ist, merkt recht schnell, wie mühselig es ist, die Kamera mit Hilfe des kleinen Prismas auf das Motiv auszurichten. Ich meine, dass dieser Part hier so ziemlich der schwierigste der gesamten Aufnahme ist. Umsomehr bin ich auf die Ergebnisse gespannt.

Entwicklung

Entwickelt habe ich den Film (Ilford FP4 Plus) 15 Minuten mit Tetenal Ultrafin bei 20° Celsius im 15-Sekunden Kipprhythmus im Jobotank. Danach ein einfaches Wasserstoppbad genommen und letztendlich 5 Minuten mit Adofix P fixiert und danach gut gewässert. Die Zeitwerte habe ich mit Hilfe der App „Filmentwicklung“ entnommen, die die Eingabe sämtlicher herkömmlicher Fotochemikalien erlaubt und aufgrund der vorhandenen Datenbank die Zeitwerte ermittelt.

Der schwierigste Teil war das Einfädeln des Rollfilms in die Filmspirale bei absoluter Dunkelheit in meinem Kellerraum. Ohne das Abrunden er Filmecken hat man keine Chance, den Film auch nur einige cm in die Spirale zu bekommen. Ebenso war es für mich neu, bei Dunkelheit den Film vom Schutzband zu trennen, da ich früher Filmentwicklungen grundsätzlich nur mit Kleinbildfilmen vorgenommen habe, die man einfach aus der Filmdose nahm und einfädelte. Die Gefahr, dass man letztendlich das Schutzband im Filmtank und den belichteten Film auf dem Boden liegen hat, besteht also durchaus. Dies sorgt beim Anknipsen des Lichts für die große Überraschung 🙂

Fazit

Der Wiedereinstieg in die Analogfotografie hat mir vor allem 3 Dinge gegeben:

  • Das Erkennen der Tatsache, dass Fotografie eine Kunst ist
  • Die Rückgewinnung der Spannungskurve zwischen Aufnahme und Entwicklung
  • Die Erkenntnis, dass die besten Fotos nicht in der Masse entstehen, sondern durch sparsames, bedachtes Betätigen des Auslösers

Auch wenn die Qualität natürlich mit aktuellen Digitalkameras nicht vergleichbar ist, so ist doch eines gewiss: Ein solcher Style ist mit keiner aktuellen App kopierbar. Ich werde die Analogfotografie auch in Zukunft dann einsetzen, wenn das Motiv einen genau solchen Style erfordert. Zudem ist der „Funfakor“ über den gesamten Prozess von Filmeinlegen über Fotografieren bis hin zur Entwicklung ein völlig anderer und nicht vergleichbar mit dem der heutigen Kameras.